The Weather Machine live in Graz
Musikalische Darbietung
Visueller Eindruck
Gesamteindruck
4.5STARS

Am vergangenen Samstag, den 27. Februar, beehrten The Weather Machine aus Portland den Grazer club wakuum. Ein Review.

Wer sich im Vorhinein das eine oder andere Lied der aus dem US Bundestaat Oregon stammenden „Folk Rock“ Band angehört hat, war gleichermaßen überrascht wie jene, die sich lediglich auf eine gemütliche Vorband für die heimischen Metaller von Ancore gefreut haben. Die fünf US-Amerikaner lieferten bei ihrem 21. Konzert innerhalb von 22 Tagen nämlich eine derart energiegeladene Show ab, dass die Vermutung nahe lag, dass dieses von Voodoo Tattoo veranstaltete Event das erste und nicht das letzte Konzert in ihrem ersten Europa Tour Kalender überhaupt war.

The Weather Machine live im club wakuum

V. H. Picturesque Photography

Frontmann Slater Smith singt live zwar sehr ähnlich wie auf den zwei Longplayern der Band („The Weather Machine“ & „Peach“), jedoch ist er, was den Vergleich zu den bisher veröffentlichten Youtube Videos der Neo-Folk Rocker anbelangt, nicht wiederzuerkennen. Er ist keineswegs der typisch ruhige Singer/Songwriter, der die gesamte Show über gelassen und fokussiert vor seinem Mikrofon steht und sich von Zeit zu Zeit verlegen an seiner Gitarre festklammert, die er nur dann braucht, wenn er mit Akkorden Parts hinterlegt, um diese aufzufetten – im Gegenteil. Smith macht grundsätzlich nur bei zirka der Hälfte der Songs von seinem sich perfekt in den Gesamtklang der Band integrierenden Instrument Gebrauch und bewegt sich die andere Hälfte in höchst sympathisch-ungeschickter, teilweise an Ian Curtis erinnernder Manier zur qualitativ höchstwertigen Darbietung seiner Mitstreiter. Und wenn er dann seine Gitarre einmal zur Hand nimmt, hat man nicht das Gefühl, dass er sie nur spielt, um etwas zu spielen – er ist dann, wie Barney Stinson sagen würde, die Mini-Kirsche auf der normalen Kirsche auf dem Super-Überraschungseisbecher, der in dem Fall The Weather Machine sind; Smith spielt technisch anspruchsvolle Riffs, die dennoch nie aufdringlich wirken und zu jeder Zeit fehlerfrei serviert werden – genauso wie sein Gesang, der im Unterschied zu den bisher bekannten Aufnahmen aufgrund der Emotion teilweise sogar in Schreie ausarten, welche aber wiederum nie die richtige Tonhöhe missen lassen. Und dennoch sticht Slater Smith nicht heraus. Wieso?

Beeindruckendes Gesamtbild

Der einfache Grund ist der, dass Smith von einer Band umgeben ist, in der absolut jeder weiß, was er tut. Jede Passage eines jeden Songs ist perfekt durcharrangiert, und die Rhythmusgruppe (Andre Zapata am Bass und Luke Hoffman an den Drums) macht es Matthew Cartmill am Cello und Colin Robson an der E-Gitarre nahezu unmöglich, nicht in time zu spielen. Und das trotz der Tatsache, dass Drummer Hoffman die ganze Show über auf einen Klick verzichtet. Apropos Drummer: Hoffman, dem als Einziger ein längerer Solopart gegönnt wird, verliert sich derart in seinem Spiel, dass sich kritische ZuhörerInnen von Zeit zu Zeit etwas mehr Dynamik wünschen würden – der einzige Kritikpunkt in einer ansonsten wirklich guten Show.

The Weather Machine live im club wakuum

V. H. Picturesque Photography

Gemischt mit der Lässigkeit von Zapata, der im Gegensatz zu Teilzeittänzer Smith den gesamten Auftritt sitzend absolviert, und den perfekt rar eingesetzten Backing Vocals von Hoffman und Robson, ergibt sich so ein einzigartiges Gesamtbild, das sowohl von der Intensität der Bewegung der Bandmitglieder auf der Bühne, als auch von der Intensität der Songs her von zurückhaltend bis zu wild, um als Folk Rock kategorisiert zu werden, absolut alles bietet. Es ist einfach spürbar, dass hier eine Band auf der Bühne steht, in der nicht nur jeder sein eigenes Instrument sehr gut beherrscht, sondern in der auch jeder zu so ziemlich jeder Zeit genau weiß, was der andere gerade tut und gleich tun wird. Ein zu beeindruckendes Gesamtbild?

Trauriges Paradoxon

Natürlich liegt es nahe, diese im ersten Moment absurde Frage umgehend zu verneinen. Vor allem dann, wenn die Musik nicht bloß auf hohem Niveau dargeboten, sondern noch dazu derart ausgewogen gemischt wird, dass man als ZuhörerIn meinen könnte, gerade einem fixfertigen Longplayer zu lauschen, und das Gefühl, es ginge überhaupt nicht besser, einfach nicht unterdrücken kann – Michael Hirschmugl, einer der Haustechniker des club wakuum, hob an diesem Abend die Performance der Wettermaschine auf ein Level, das seinesgleichen auch international wahrscheinlich lange suchen muss. Und dennoch fällt es nicht schwer, Smiths Leid zu verstehen, wenn er nach dem Konzert darauf angesprochen wird, dass sich die bisher veröffentlichten Songs und Videos schlichtweg nicht mit der imposanten Live-Performance des Trios messen können und er antwortet:

I know, and this is a big problem. We haven’t figured out how to put the energy of our live performances on records yet […] but we will work on that!

Smith beschreibt hier ein allseits bekanntes Problem vieler MusikerInnen, dem auch The Weather Machine (noch) zum Opfer fallen – ihre Live-Performance ist tatsächlich zu beeindruckend, um mit den Aufnahmen mithalten zu können. Diese Tatsache zog umgehend die Frage nach sich, ob die Band bald wieder nach Europa kommen wird. Verständlicherweise nicht, können sie schließlich (noch) nicht von der Musik leben und müssen sie laut Eigendefinition ihre erste, nun zu Ende gegangene Europa Tournee schlussendlich mehr als Urlaub denn als Tour sehen (was wiederum eine interessante Definition ist, wenn man bedenkt, dass die Jungs 22 Tage unterwegs waren und lediglich an einem einzigen nicht gespielt haben).

Nach einem derart überraschend unterhaltsamen Abend mit einer richtig guten und sympathischen Band ist es schon eher lustig als ärgerlich, wenn ein Besucher vor dem Nachhausegehen 15 Euro in ein Shirt investiert, nur um dann festzustellen, dass er Brüste und eine definiertere Taille bräuchte, um seinen Merchandise Artikel auch wirklich tragen zu können.

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