Herzhafte Single von Matzebub
Sound
Performance
Musikvideo
Lyrics
4.2Sterne

In Matzebubs bunter Sammlung an harmonischen Vertonungen reiht sich ein weiteres musikalisches Glanzstück: Mit „Running High“ zeigt der Musiker, was Stimme und Gitarre alles so drauf haben können.

Ziemlich viel, hört man sich die neueste Erscheinung von Matzebub an. Die treibende Kraft hinter dem Kunstprojekt Matzebub ist der 20-jährige Matthias Aichinger aus dem Innviertel. Als „fast-Solokünstler“ – auf den Einsatz helfender Hände bei Videodrehs kann auch der unabhängigste Solokünstler nicht verzichten – arbeitet der Musiker mit einer recht simplen Gleichung: Gitarre plus Stimme ergibt stimmigen Akustik-Sound. Die zarte Seele seiner Musik drückt sich nicht nur akustisch aus, sondern sucht sich auch visuell ihr Ventil: Die Musikvideos zeigen typischerweise die Natur in ihrer vollen Pracht und spiegeln somit den klanglichen Charakter der Musik wieder. Neben dem Faible für Ästhetik kann man dem jungen Musiker auch einen Hang zur Ethik nachsagen, wirft man einen Blick auf die friedvollen Botschaften seiner Texte.

Glaub keinem, der dir sagt, dass du nichts verändern kannst

Mit „Economic Refugee“ schließt sich Matzebub der Flüchtlingsdebatte an. Dies tut er weder mit aggressiven Kampfvokabular noch mit scharfen Imperativen. Vielmehr setzt er rollenhafte „We“- und „You“-Formulierungen und Metaphern als textuelle Werkzeuge ein und zeichnet dabei auf sehr einfühlsame Art und Weise ein Bild der Flüchtlingskrise.

„I smoke the fear, I smoke the hate, I smoke the lies and all the fails […]
we don’t know your situation, we don’t know your motivation, but we know who you are“

L’art pour l’art

Den Spagat von politischem Aktivismus zu verträumten Nonsens-Stück ist dem Singer-Songwriter mit „Running High“ gelungen. Ganz sinnbefreit ist der Nonsens dann doch wieder nicht. Trotz Lyrics wie „The words haven’t any meanings, but they fly in my headings“, verfällt man bei genauerem Hinhören dem Versuch, Sinn zu sehen, wo nicht einmal bedingt einer sein muss: Mit den Worten „don’t know if you love me“ ist man sich über die insgeheime Liebesbotschaft des Songwriters sicher – zumindest bis man über den Vers „this Is not a love song“ stolpert. Doch Matthias Aichinger alias Matzebub strotzt sich dem Zwang, alles zu kategorisieren und begibt sich stattdessen dem Müßiggang hin. Eindrucksvoll zeigt demnach „Running High“, wie sinnvoll Sinnlosigkeit sein kann. Oder mit John Lennons Worten ausgedrückt: „Life is what happens while you‘re busy making other plans“.

Musikalisch verfolgt Matzebub jedoch immer eine klare Linie. Akustische Gitarre soll es sein, untermalt von sattem, auf dem Zenit reibeisenartigem Stimmklang. Diese Formel geht in „Running High“ auch wunderbar auf. Melodisch balanciert der Gitarrenklang auf einer schwungvollen Ebene und schafft bei dem Hörer das Umlegen des Schalters auf „Entspannungsmodus“. Die musikalischen Qualitäten Matzebubs, die bei „Running High“ mehr als deutlich herauskommen, sind bei „Economic Refugee“ weniger deutlich zu sehen. Man vermisst das schöne Wunderbare, das das Songstück aus seinem harmonievollem Grundgerüst herausreißt und es somit fesselnd macht.

Matthias Aichingers musikalische Vorlieben wie Jake Bugg, Bob Dylan, Oasis, Bastille oder AnnenMayKantereit weisen zeichenhaft Parallelen zu seinem eigenen Sound auf. Des Songwriters Natürlichkeit, Originalität und Gefühlsstärke prägen den Musikstil zusätzlich noch und lassen das Kunstprojekt Matzebub in seiner Einzigartigkeit aufblühen. Gespannt kann man sein, mit was uns Matzebub in Zukunft noch überraschen wird.

Eine Antwort

  1. Aichinger Ingrid

    bin sehr beeindruckt, wie feinfühlig, differenziert und treffend Matzebub hier charakterisiert ist. Natürlich hat mich als seine Mama diese Beschreibung sehr gefreut (also, unsere ganze Familie hat sich sehr gefreut). So wie Singen eine Kunst ist, ist es auch Schreiben. In diesem Sinn auch großes Kompliment an Sandra! LIebe Grüße und danke! Ingrid Aichinger

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