Melancholisch retro mit "Death of Ivan"
Idee
Storyline
Song
Umsetzung
4.0Sterne

Vague präsentieren die zweite Singleauskoppelung von ihrem Debütalbum: „Death of Ivan“.

Mit ihrer zweiten Singleauskoppelung von ihrem im April erschienenen Debütalbum „In The Meantime“ nehmen uns Vague mit auf eine Reise quer durch Berlin. Das Musikvideo zum Song „Death of Ivan“ entstand aus der gemeinschaftlichen Arbeit von Gitarrist und Songwriter Simon Dallaserra und Sophie Gmeiner und ist das Endprodukt von vier Tagen Dreh und rund zehn Tagen Digitalisierung der Videobänder – dem melancholischen Inhalt des Videos wurde nämlich zusätzlich durch die Verwendung einer analogen VHS Hi8 Kamera unter die Arme gegriffen. Der Retro-Charme, den Vague bereits durch ihr Auftreten und ihren postrockigen Sound versprühen, bekommt somit auch noch ein filmisches Gesicht.

Postrock-Tolstoi in Berlin

Vague

Auf die Perspektive kommt es an (c) Vague

Das Video zum knapp dreieinhalb Minuten langen Song zeigt Simon durch ungewohnt verlassene U-Bahn-Höfe streifen und bringt Eindrücke des Großstadtdschungels vor die Linse. Wer demnach zu dem Song, der sich auf Leo Tolstois Romanfigur Iwan Iljitsch bezieht, ein Video voller Figurenelemente der Erzählung erwartet, ist weit gefehlt. „Der Inhalt des Videos soll recht assoziativ der Gefühlslage des Liedes gerecht werden“, erklärt Simon die aussparende Ästhetik des Produkts.

Nichtsdestotrotz verbirgt sich hinter den Gewohnheit, Einsamkeit oder Stillstand widerspiegelnden Sequenzen genau jene Beklemmung und Angst, von der auch im Roman die Rede zu sein scheint. Neben anderen Eindrücken fokussiert sich das Video zum Beispiel auf das Schälen einer Grapefruit: „Einerseits wird durch den Vorgang das Vergehen von Zeit erkennbar – ein Innen und ein Außen, eine Veränderung –, andererseits ist diese Tätigkeit Ausdruck von Routine, bisweilen Lethargie oder gar Meditation.“ In den kleinen Dingen große Bedeutung finden – diese Aufgabe meistern Vague nicht nur musikalisch, sondern, wie dieses Musikvideo demonstriert, auch vor der Kamera.

Zeitlose Zwischenzeit

Auch wenn manche Perspektiven an einen Horrorklassiker erinnern könnten, fügt sich doch jedes Bild stimmig in das zeitlos wirkende Video ein. Diese Szenen, die alte Horrorklassiker wie Hitchcocks „Psycho“ kurz aufflammen lassen, verleihen dem Video umso mehr seinen eigenen Flair: Man ist stellenweise kurz davor, in eine andere Thematik abzuschweifen, aber die Melodien von „Death of Ivan“ holen einen immer wieder zurück zum Eigentlichen. Das Video bringt uns demnach in eine Art Zwischenzeit – „Meantime“ – ob gewollt oder nicht. Fest steht, dass Simon und Sophie dem Song ein stimmiges Aussehen verliehen haben, dass die Zeit zugleich anhält und unweigerlich weitertreibt.

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