Serum 114 - Wenn der Tag zur Nacht wird
Wahnsinn
Abstraktheit
Kreativität
Sound
4.4Sterne

Mit neuem Song und neuem Musikvideo lassen Serum 114 wieder von sich hören. Abstrakt und aussagekräftig treffen es wohl am besten.

„Die Nacht mein Freund“ – so nennt sich nicht nur das neue Album von Serum 114, das im August erscheinen wird, sondern auch der gleichnamige Song, der vor kurzem veröffentlicht wurde. Mit neuem Song und neuem Label ist ihnen nun das gelungen, was die Band nach eigenen Aussagen schon seit ihrer Gründung machen wollte. In ihrem Produzenten und Freund Arne Wiegand haben sie jemanden gefunden, der sie versteht und mit ihnen zusammen die Entscheidungen trifft. Mit Napalm Records ist nicht nur ein neuer Song, sondern auch ein aussagekräftiges Video entstanden.

Wie Tag und Nacht

Die Deutsch Punk Rocker Serum 114 richten ihren Song an alle Nachtschwärmer, die die Nacht zum Tag machen. „Die Nacht hat ihren eigenen Charme, die Straßen sind leer, alles ist Still“, verraten Esche (Gesang/Gitarre), Markus (Bass), Nils (Schlagzeug) und Thorsten (Gitarre). Durch ihre Arbeit spielt sich ihr Leben hauptsächlich in der Nacht zwischen 20 Uhr abends und 10 Uhr morgens ab. „Das ist kein Job für Frühaufsteher und versaut einen ganz schön den Rhythmus.“ Das Leben der meisten Menschen findet aber tagsüber statt, da sollte man auch so halbwegs „funktionieren“. Da erinnert der Blick in den Spiegel dann schon eher an einen Zombie-Film. Zum dunklen Charme der Nacht kommt das grelle Licht der Discomeilen dazu – das bietet ein starkes Kontrastprogramm.

Bei „Die Nacht mein Freund“ handelt es sich eher um eine abstrakte, textliche Darstellung. „Wenn wir uns Konzepte für Musikvideos überlegen versuchen wir immer, das Wesentliche des jeweiligen Songs auf den Punkt zu bringen.“ Als Darsteller haben sie den Schauspieler Damir Cosic ausgewählt, der das als abstrakte und schräge Figur auch umsetzen und interpretieren kann. Selbst schon schwarz angemalt, nur die Lippen bleiben weiß, befindet er sich in einem durch und durch weißen Raum. Bett, Schreibtisch, Boden und Wände – alles ist weiß. Er blickt sich verstört um, die Hände zittern, als der Protagonist einen Schluck aus der Tasse nimmt. Er beginnt den Verstand zu verlieren und dreht anschließend komplett durch. Dazu heißt es: „Jeden Tag die selben Fratzen, jeden Tag der selbe Scheiß.“ „Und so häng‘ ich in der Luft, kann die Sonne nicht mehr sehn.“ Zuerst hinterlässt er mit seinen schwarzbemalten Fingern nur Abdrücke auf den Wänden, doch dann werden die Wände immer schwärzer, bis das Zimmer komplett schwarz angemalt ist – so wird die Nacht zum Tag gemacht: „Die Nacht mein Freund, der Tag mein Freund.“ Durch starke Rhythmen und Gitarren-Riffs werden die wachsende Verzweiflung und der immer größer werdende Wahnsinn spürbar. Die Schreie sind beinahe zu hören und das Funkeln in den Augen wird immer beängstigender. Nach getaner Arbeit sorgen noch Feuerstäbe für einen grandiosen Abschluss, denn das Ziel wurde erreicht und die Nacht hat gesiegt.

Fazit

Der aussagekräftige Text lässt viel Raum für Interpretationen – ob die Nacht nun tatsächlich gesiegt hat oder den Tag nur überschattet, das ist jedem selbst überlassen. Das Video ist sehr abstrakt und man fragt sich vielleicht zu Beginn, was dieser komische Typ, mit dem wahnsinnigen Blick eigentlich vor hat. Zuerst kratzt er an den Wänden und dann beginnt er, diese auszumalen. Dadurch, dass der weiße Raum schwarz wird, wird der Übergang zur Nacht gut dargestellt und es kann sofort eine Verbindung hergestellt werden. Das Musikvideo zieht zwar jede Menge Aufmerksamkeit auf sich, doch die Musik rückt keineswegs in den Hintergrund. Sie unterstützt das Schauspiel sehr gut und harmoniert mit den skurrilen Szenen. So gibt „Die Nacht mein Freund“ einen Vorgeschmack auf das gleichnamige Album, das am 5. August 2016 erscheinen wird.

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