Voodoo Jürgens brilliert mit "Gitti"
Konzept
Kamera
Schnitt
Song
4.1Sterne

Voodoo Jürgens gräbt nicht nur Tote aus, sondern gibt jetzt auch noch Beziehungstipps. So beweist es sein neues Video zu „Gitti“.

Man kann nie sagen, wann der Hype zuschlägt. In manchen Fällen zeichnet es sich schon so gemächlich am Horizont ab, in anderen wird man davon überrumpelt. Wer die Karriere von Voodoo Jürgens in diesem Jahr etwas verfolgt hat, dürfte nicht überrascht sein, dass es der aus Tulln an der Donau stammende Künstler bis ganz nach oben in den Alternative Charts geschafft hat. Immerhin lachte uns der Sänger mit der abgemilderten Version eines Vokuhilas auch schon von einem Falter-Cover entgegen und wurde von FM4 Himmel-hoch gefeiert.

Spitzbube vom Dienst

Durchaus berechtigt, darf man wohl sagen. Österreich hat ohnehin ein Herz für seine „Schlawiner“, vor allem, wenn sie alles andere als akzentfrei sprechen und zeitweise auch fluchen wie die Rohrspatzen. In diese Kategorie fällt Voodoo Jürgens wunderbarst hinein, denn er ist, spricht und flucht. Auch die Instrumentale Begleitung zu seinen Texten im besten Wiener-Dialekt gefällt und bewegt sich abseits von stupiden Pop-Geplänkel.

Mit seinem am 3. Oktober veröffentlichten Video zu „Gitti“ beweist Voodoo nun endgültig, dass man ihn in der österreichischen Musiklandschaft nicht mehr übersehen, oder besser überhören kann – auch, wenn man es vielleicht möchte. Mit Witz und gesellschaftskritischem Humor singt er darin über weise Ratschläge und deren Verteiler. Unterstützt wird er dabei von Eva Billisich, ihres Zeichens Schauspielerin, Kabarettistin und Musikerin. Bekannt sollte sie jedem von dem österreichischen Kultstreifen „Muttertag“ sein, in dem sie die Evelyn Schöbinger mimt. Eva und Voodoo in einem Video zusammen – wem da nicht die schönste Gänsehaut den Rücken hinunter fährt, der hat ein kein Verständnis für österreichische Kultur.

In dem farbenfrohen Video kann man Voodoo Jürgens gleich in zwei Rollen bewundern. Einerseits als Freundin von Gitti, andererseits als Gittis Verehrer namens Rickerl. Besagte Gitti wird natürlich von Eva Billisich dargestellt und gesungen. Während den knapp über drei Minuten Laufzeit darf man Voodoo Jürgens grell geschminkt und in Damenkleidung dabei beobachten, wie er seiner Freundin Gitti am Telefon von ihrem aktuellen „Gspusi“ wärmstens abrät. Diese will von dem Ganzen aber rein gar nichts hören. Am Ende des Videos erfährt der Zuschauer, dass die Freundin von Gitti selbst etwas mit Rickerl hat. Achtung, Mindfuck: Vodoo Jürgens schmust im Video mit „sich selbst“.

Neben der feinen schauspielerischen Darbietung, die Voodoo und Eva hier abliefern, ist der Song ein herrliches Stück Musik. Das Ohr des Zuhörers wird durch smoothe Akkordeonklänge und spielerische Keys verwöhnt: Wiener Gossen-Chanson in jazziger Verpackung.

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