Vitruv – eine Band zwischen Pop, Rock und Country
Authentizität
Abwechslung
Unterhaltungwert
4.2STERNE

Die Band Vitruv sollte ursprünglich nur eine Benefizveranstaltung im Jahr 2007 musikalisch unterstützen – doch die Musiker überzeugten so sehr, dass zahlreiche Folgeauftritte folgten und die Beliebtheit der Band nicht nachlässt. Wir haben ihr aktuelles Album „Unu“ genauer unter die Lupe genommen.

Die Platte „Unu“ ist im Mai 2015 beim Label Edition Klangraum erschienen und beinhaltet 14 Songs, die den unterschiedlichsten Genres zugeordnet werden können. Alle Titel erzählen Geschichten, die wir selbst erleben hätten können – von Dingen aus dem Alltag eben.

Der Opener des Albums trägt den Titel „The Burden falls off“ und beginnt zunächst nur instrumental. Der Zuhörer kann seinen Gedanken nachhängen und wird dabei von der treibenden Musik unterstützt. Als schließlich Akkordeon und der Sänger Martin Writzmann einsetzen, nimmt der Song die Gestalt eines Country-Hits an. Allerdings nicht die Art von Country-Musik, die wir mit tanzenden Mittvierzigern verbinden, die ihre verpasste Jugend nachholen; vielmehr handelt es sich um eine rockigere Version. Doch wieso soll Musik überhaupt in eine Schublade gesteckt werden? Wenn es nach den sechs Musikern von Vitruv geht, dann soll Musik leben können und zwar frei von Genre-Grenzen. Diesen Gedanken scheint die komplette Platte zu verfolgen. Nach dem dunklen Titel „Depression“, bei dem Bass, Schlagezeug und Gesang im Vordergrund stehen, folgt der Song „Childhood of Dreams“, der dank Gesang und Gitarre sehr nah am Folk angesiedelt ist. „Ballad of the Broken“ ist eine emotionale Ballade, wie man sie sich von einem Rocksänger nur wünschen kann: Authentische Stimme mit viel Gefühl, aber keine Spur von Kitsch.

Grenzen verwischen

Vitruv beweisen, dass Musiker sich nicht für ein Genre entscheiden müssen. Sie schaffen es gekonnt, verschiedene Elemente der Musikrichtungen in ihre Songs einzubauen. Der Hörer wird dabei immer wieder auf’s Neue überrascht. Einer ruhigen Ballade folgt ein rockiger Song, einem mitreißenden Track folgt ein Titel, der die Gedanken schweifen lässt. Das ist einerseits sehr abwechslungsreich, andererseits darf man sich beim Hören der Platte nicht auf eine Stimmung festlegen. Bei manchen Titeln scheinen es die Musiker außerdem ein wenig übertrieben zu haben: Bei „Call my Name“ beispielsweise wird kaum deutlich, in welche Richtung der Song gehen soll. Auch „I’m free“ scheint eine unbestimmte Mischung aus Rock und Folk/Country zu sein.

Beendet wird die Platte mit dem Song “Still”, der auch als ausgekoppelte Single im Radio zu hören ist. Der klassische und eher ruhige Progressive Rock-Song besitzt einen treibenden Bass und lässt die raue Stimme des Sängers ideal zur Geltung kommen – ein gelungener Abschluss für das Album.

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