Vom 31. Juli bis zum 1. August findet im niederösterreichischen Elsbach das idyllische Campfire Festival statt, dessen Line Up größer ist als das Festival selber.

Zugegeben, Lagerfeuermusik ist nicht gerade die aufregendste Sache unter dem musikalischen Sternenhimmel. Sofern er nicht Dylan heißt, geht dieser Kerl mit seiner Akustikklampfe und den Schunkelliedern früher oder später gewaltig auf die Nerven.
Doch so muss das nicht sein. Zwar hat das Team vom Campfire Festival Bob Dylan nicht gebucht, doch bringen sie es trotzdem zustande ein aufregendes Festival zu gestalten. Die intime Atmosphäre, die man für gewöhnlich an einem Lagerfeuer genießt, bleibt dennoch vorhanden. Derzeit rechnet das Veranstalter-Team mit rund 1200 Besuchern.
Mit Yasmo & Die Klangkantine, Steaming Satellites und Johann Sebastian Bass bietet man in Elsbach einige der derzeit angesagtesten Acts am österreichischen Musikmarkt. Doch gleichzeitig ließ man auch beim restlichen Programm nicht nach. Denn mit Witchrider, Polkov und vielen mehr liefern die Macher einige weitere Gustostücke. Interessant wird es bei diesem Line Up und dem zugehörigen Ticketpreis. Denn für 29 Euro (2-Tagesticket) bzw. 22 Euro (Tagesticket) bleibt dem Publikum ein durchaus vernünftiges Budget in der Tasche, das man für Band-Shirts und Bier verprassen kann.
All das und noch viel mehr war für uns ein Grund mit den Veranstaltern des Campfire Festivals Kontakt aufzunehmen und ein paar Dinge zu bequatschen.

Das Interview

Campfire Festival 2015

Campfire Festival 2015

www.music-news.at: Was ist eurer Meinung nach das Besondere am Campfire Festival? Wieso sollten Musikliebhaber zu euch kommen, statt auf andere Festivals zu gehen? Was erwartet eure Besucher am Campfire Festival?

Campfire Team: Das Campfire Festival ist ein kleines Festival abseits des Mainstream. Unverwechselbar und einzigartig ist vor allem die familiäre Wohnzimmeratmosphäre, die wenig mit Massenveranstaltungen à la Frequency oder Nova Rock gemeinsam hat. Es ist uns äußerst wichtig, eine angenehme, stressfreie Umgebung für unsere Besucher zu schaffen, die zum Relaxen einlädt. Wenn dann noch die Sonne scheint und die Musik stimmt (und die wird natürlich stimmen), dann kommt fast ein Funken Urlaubsstimmung auf.
Ein großer Pluspunkt ist unserer Meinung nach außerdem, insbesondere im Vergleich mit Großveranstaltungen, das Preis-Leistungs-Verhältnis. Man muss keine Unsummen ausgeben, um ein chilliges Partywochenende zu erleben und hochkarätige Bands zu sehen. Musik kann verdammt gut und trotzdem leistbar sein.
Des Weiteren sei noch erwähnt, dass es uns ein großes Anliegen ist, österreichische Bands und Musiker zu fördern. Die österreichische Musikszene erlebt gerade einen enormen Aufschwung, doch der Löwenanteil des heimischen Festivalkuchens gehört noch immer internationalen Acts. Auf Großveranstaltungen kommen heimische Bands oft zu kurz. An dieser Stelle kommen wir ins Spiel und bieten eine neue Plattform, sowohl für etablierte Künstler als auch für Newcomer.

www.music-news.at: Und was erwartet ihr von euren Besuchern?

Campfire Team: In erster Linie wollen wir, dass die Besucher das Festival, mit allem was dazugehört, in vollen Zügen genießen und sich darauf einlassen. Aber das passiert in der Regel von alleine. In den vergangenen beiden Jahren war die Stimmung quer durch die Bank gleichermaßen ausgelassen wie gelassen. Securities sind zwar selbstverständlich vor Ort, wir sind aber stolz darauf, ein Ort zu sein, an dem Probleme, falls sie denn überhaupt auftreten, mit Worten und nicht mit Fäusten geregelt werden, und das soll auch so bleiben.
Lange Rede kurzer Sinn: Wir sind ein gmiadliches Festival für gmiadliche Leute. Wer Probleme machen will, der soll das bitte wo anders, oder besser gar nicht tun.

www.music-news.at: Du hast vorhin erwähnt, dass es euch ein großes Anliegen ist, die heimische Musikszene zu fördern. Das heißt der Fokus beim Booking lag ganz gezielt auf heimischen Bands?

Campfire Team: Wir sind selbst Musiker und wissen daher, wie wichtig es vor allem für junge Bands ist, Bühnenerfahrung zu sammeln. Und Möglichkeiten dazu gibt es leider nicht wie Sand am Meer. Besonders die Gelegenheit, sich eine Bühne mit europaweit bekannten Bands zu teilen ist eine seltene Chance. Wir haben vor drei Jahren in erster Linie mit regionalen Bands angefangen, von denen einige heuer wieder dabei sind. Dazu gekommen sind, wie im Line Up ersichtlich, auch einige bekanntere Namen. Diese Symbiose aus etablierten Größen, Newcomern und regionalen Bands liefert einen guten Querschnitt und Einblick in die heimische Musikszene. Mit Sicherheit werden einige Besucher, denen die heimische Szene weniger bekannt ist, von deren Vielfältigkeit und Qualität überrascht sein.

www.music-news.at: Wie bringt man so ein hochkarätiges Line Up zu so einem günstigen Ticketpreis auf die Bühne?

Campfire Team: Durch solide Kostenrechnung und Planung der Einnahmen ist die Sache relativ gut abschätzbar. Wenn eine gewisse Break-Even-Menge an Besuchern erreicht bzw. überschritten wird, dann rentiert sich die Sache. Aber genug des betriebswirtschaftlichen Fachvokabulars. Es geht uns ja dabei nicht darum, den größtmöglichen Gewinn daraus zu schlagen. Konzerte zu besuchen sollte leistbar sein und kein Luxus.
Aber natürlich ist die Sache mit gewissen Risiken verbunden. Ein allmorgendliches Gebet zu den Sonnengöttern schadet mit Sicherheit nicht. Aber Spaß beiseite – das Wetter ist selbstverständlich die wichtigste ungewisse Variable, die ja theoretisch jedem kleinen Festival zum Verhängnis werden kann.

Der Festivalmarkt im Jahr 2015

www.music-news.at: Steht heutzutage nachwievor die Musik im Vordergrund oder ist man als Veranstalter eines Festivals mittlerweile gezwungen, dem Besucher ein Rahmenprogramm zu bieten?

Campfire Team: Im Falle des Campfire-Festivals liegt der Fokus ganz klar auf der Musik. Wie das auf größeren Festivals ist, lässt sich nur erahnen. Aus eigener Erfahrung können wir als Musik- und Festivalbegeisterte jedoch zumindest für uns behaupten, dass die Musik auf einem Musikfestival immer im Vordergrund stehen wird. Außerdem ist der typische Festivalbesucher ja ein von Natur aus hedonistisches Wesen, das keine Anleitung zum „Spaß-haben“ braucht.

www.music-news.at: Wie kommt man gegen die großen Player am Fesitvalmarkt an?

Campfire Team: In erster Linie durch Differenzierung und andere Positionierung am Markt. Vergleicht man beispielsweise ein Frequency mit dem Campfire Festival anhand von Kennzahlen wie Größe, Ticketpreis, oder Line Up, so wird schnell klar, dass wir in allen drei Kategorien mehr oder weniger am gegenüberliegenden Ende des relevanten Spektrums liegen. Wir sind keine Massenveranstaltung, sondern ein kleines Festival mit geringem Kontingent – stehen also für Qualität statt Quantität.
Somit sind die großen etablierten Festivals keine unmittelbare Konkurrenz für uns, da sie in einer anderen Liga spielen. Heikel wird es nur, wenn es zeitliche Überschneidungen gibt. Die probieren wir natürlich tunlichst zu vermieden.
In diesem Zusammenhang ist das Rock in Vienna ein interessantes und nennenswertes Beispiel dafür, dass es in der österreichischen Festivalszene durchaus schon einen sehr hohen Konkurrenzdruck gibt. Die zeitliche, räumliche und inhaltliche Nähe von Rock in Vienna und Nova Rock lassen kaum ein friedliches Nebeneinander zu. Vielmehr sieht es nach einem gezielten Marktverdrängungsversuch aus.
Bei kleinen Festivals hat man diese Differenzen kaum, vielmehr hilft man sich gegenseitig, tauscht Erfahrungen und Kontakte aus und feiert auch gerne bei den anderen mit.

www.music-news.at: Seht ihr euch als Macher einer Kulturveranstaltung vonseiten der öffentlichen Hand ausreichend unterstützt? Bedarf es dahingehend Änderungen in Österreich?

Campfire Team: Die Finanzierung erfolgt zum Großteil aus eigener Tasche. Außerdem werden wir durch Sponsoren unterstützt. Eine staatliche finanzielle Förderung bekommen wir heuer leider nicht. Wir sehen das allerdings nicht als Grund zum Jammern. Egal wofür Steuergelder verwendet werden – es wird immer jene geben, die meinen, es ist zu wenig und solche, die der Meinung sind, das Geld wäre an anderer Stelle besser investiert. Es wäre schön, mehr Unterstützung vonseiten der öffentlichen Hand zu bekommen, aber wenn man als Veranstalter darauf angewiesen ist, dann macht man etwas falsch.
Was allerdings wirklich mühsam ist, sind die zahlreichen Behörden- und Amtswege, die unumgänglich sind. Oft wird man wochenlang wegen einer Genehmigung hingehalten und bekommt am Ende nur eine Absage. Im Zuge der Planung gibt es immer wieder Rückschläge und Momente, an denen man einfach wieder bei Null anfangen muss. Hier wäre es schön, wenn einem die Behörden mehr entgegenkommen würden.
Leider wird man aber als Festivalveranstalter oft mehr mit Drogenszene und Lärmbelästigung als mit kultureller Bereicherung assoziiert. Dieses engstirnige Denken muss sich ändern.
Am aktuellen Beispiel Berlin sieht man, dass es durchaus auch ein Umdenken geben kann. Hier ist die Initiative Free Open Air am besten Weg dahin, die Legalisierung von spontanen Open Air Partys zu erwirken. Anstatt eine Vielzahl von Anträgen auszufüllen und eine achtwöchige Wartezeit abzusitzen, könnte dann eine einfache Anmeldung genügen. Zwar ist ein Musikfestival nicht dasselbe wie ein Spontan Open-Air, mit mühsamen Genehmigungsverfahren und Amtswegen haben jedoch beide gleichermaßen zu kämpfen.

Die Musik des Campfire

Da aus den Gründen ein Gespräch zu führen, nun Gründe das Festival zu besuchen wurden, gibt es hier den aktuellen Timetable für das Campfire Festival 2015:

Freitag, 31. Juli 2015

12:00 Einlass
15:10 – 15:40 JUNO GRAPE
15:55 – 16:25 THE RED ISLAND
16:40 – 17:10 MA/MI
17:30 – 18:30 WITCHRIDER
18:50 – 19:50 POLKOV
20:10 – 21:10 THOSE GODDAMN HIPPIES
21:30 – 22:30 FAREWELL DEAR GHOST
22:50 – 00:10 CATASTROPHE & CURE
00:30 – 02:00 YASMO & DIE KLANGKANTINE

Samstag, 1. August 2015

12:00 Einlass
13:00 – 13:30 WHITE SOUNDS
13:45 – 14:30 THE CRISPIES
14:45 – 15:30 THOMAS EDLER
15:45 – 16:30 SWEET JOINER
16:45 – 17:30 SOLID AIR
17:45 – 18:30 CHRIS SIMON
18:50 – 19:50 THE KK
20:10 – 21:10 LELKEM
21:30 – 22:30 PURPLE SOULS
22:50 – 00:10 STEAMING SATELLITES
00:30 – 02:00 JOHANN SEBASTIAN BASS

Ein Stück Campfire im PARADOX

Zwei der Bands, die das Line Up des Campfire Festivals schmücken, sind übrigens in unserem Printmagazin PARADOX zu finden. Mit Johann Sebastian Bass und Witchrider durften wir nicht nur ausführliche Interviews führen, sondern auch zwei völlig konträre Fotoshootings machen. Und wo ihr nun PARADOX findet und gratis mitnehmen könnt, das verrät euch dieser Link: Wo ist PARADOX erhältlich?

Titelbild: (c) Campfire Music OG

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