Drei Tage mit Freunden – Das war das Acoustic Lakeside
Line-Up
Sound
Stimmung
Organisation
4.5STERNE

Mit der zwölften Auflage des Acoustic Lakesides hat sich das Festival selbst übertroffen.

Die Hitze lag schon früh sehr schwer über dem Sonnegger See, als die ersten Zelte aufgebaut, und am Gelände die letzten Vorbereitungen getroffen wurden. Nichtsdestotrotz begegnete einem an jeder Ecke freundliche Gesichter und eine ausgelassene Stimmung. Die Vorfreude war greifbar, die Atmosphäre wie das Wetter selbst. 313 Ehrenamtliche und Vereinsmitglieder haben über drei Tage ein Festival auf die Beine gestellt, welches bis jetzt in Österreich unerreicht ist.

Tag 1 – Wespeninvasion und viel Beifall

Schon die An- und Zufahrt zum Festivalgelände war entspannend: Man wurde von freundlichen EinweiserInnen gefragt, ob man nicht schon am Eingang sein Gepäck abladen wolle, um sich den Weg vom Parkplatz zu sparen. Die Bandausgabe ging schnell und die allgemeine Grundstimmung war hier schon greifbar. Alle OrderInnen und OrganisatorInnen waren überaus freundlich und hatten einige Witze auf den Lippen. Der Campingplatz war, je nach Zeltlage, rund fünf Minuten von den Bühnen entfernt und groß genug für alle Besucher. Dort ging es übrigens, bis auf eine Trichterstation, ziemlich ruhig zu und die Wespen fühlten sich auch sichtlich wohl. Die Einlasskontrollen beschränkten sich auf das Festivalband und die Mitnahme von Getränken. Beides ging was ziemlich flott vonstatten – eine erfrischende und positive Erfahrung.

The Crispies (c) Michael Köppel

Dann, als die Sonne hinter dem See verschwand, eröffneten The Crispies das Festival und brachten mit ihrem frischen Garage-Sound das Publikum erstmals zum Beben. Als Abschluss lieferte das österreichische Duo der Stunde Leyya ihre besten Songs ab und schickten feine Beats durch das Partyzelt, in dem am ersten Tag alle Konzerte stattfanden. Die Hauptbühnen wurden erst am nächsten Tag eingeweiht.

Tag 2 – Heimspiel und der ruhige Schwede

Nach der ersten durchgefeierten Nacht waren die meisten Leute schon wieder früh auf den Beinen. Die Hitze hielt unbarmherzig an, konnte aber leicht mit frisch zubereiteter Eierspeise der Landjugend und einem kühlen Bier aus dem Trockeneiscontainer verdrängt werden – ein Frühstück für Champions. Dann ging es für viele ab zum See um sich zu erfrischen und die kommenden KünstlerInnen herbeizusehnen; oder um einfach auf einem Flamingo Schlauchboot durch das Gewässer zu treiben. DAWA zog die erste größere Menschenmenge an und entschleunigten das Festival noch etwas weiter. Dann kam die äußerst charismatische Indie-Band Catastrophe & Cure zum Zug und verzauberte das Publikum mit einem fein abgestimmten Set bevor die Kärntner von Naked Lunch die Bühne enterten.

DAWA (c) Michael Köppel

Die Rocker legten sich voll ins Zeug und konnten das gesamte Festival mitziehen. Die Nummern wurden wunderbar angepasst und der Heimvorteil hervorragend ausgespielt, weswegen sie auch mit tosendem Applaus verabschiedet wurden. Als Headliner agierte Jose Gonzalez. Alleine, nur in Begleitung seiner akustischen Gitarre und einem fahlen, auf ihn gerichteten Lichtstrahl brachte er die Leute noch etwas enger zusammen. Pärchen rückten näher, umarmten sich und schunkelten zu den zarten, durchdachten Klängen des Junip Frontmanns. Eine besondere Stimmung lag danach über dem Gelände und das Publikum teilte sich in Zeltplatz und Partyzelt auf.

Tag 3 – Vogerl-Tattoos und der kleine/große Engländer

Am letzten Festivaltag bemerkte man bei einigen doch schon Anzeichen der Erschöpfung. Das Wetter hielt an und verwandelte den Sonnegger See in einen Schmelztiegel. Langsam aber sicher erkannte man fremde Gesichter, sei es weil man bei einem Konzert kurz miteinander gesprochen hat, oder die Nacht gemeinsam durchgetanzt hat. Dennoch waren überraschend viele Menschen schon um zehn Uhr auf dem Gelände, um sich die Lesung aus dem neuen Buch der Klagenfurter Stadtschreiberin Stefanie Sargnagel reinzuziehen. Derb, jedoch trotzdem mit subtilem Schmäh lauschten viele ihrer Ergüsse. Sie polarisierte mit Texten, die manchmal zum Nachdenken anregten und manchmal die Augen rollen ließen. Leider ist ihr nervig aufgetragener Wiener Dialekt eher gewöhnungsbedürftig und eine wahre Literatin wird sie auch nicht mehr. Dann eröffnete der französische Yalta Club das musikalische Programm und verlegten kurzerhand ihr Konzert ans Seeufer. Somit war das Publikum aufgewärmt für den, von den Namen her, größeren, letzten Tag.

The Boys You Know (c) Michael Köppel

The Boys You Know betraten am späten Nachmittag die Bühne und beschallten die Zuschauer mit einem Best-Of ihrer Bandgeschichte. Mit Witz und Charme zauberten sie beinahe allen BesucherInnen ein Lächeln ins Gesicht – auch im Partyzelt, in dem Ausgewählten gratis Vogerl-Tattoos gestochen wurden. Mighty Oaks, das Berliner Trio mit internationalen Wurzeln, überzeugte mit brachialem Folk-Sound und stimmte gut auf die letzten Konzerte des Festivals ein. Und diese wussten nicht zu enttäuschen. Jake Bugg brillierte mit einem tollen Set voller Schlager-Indie und leider etwas zu vielen Songs vom neuesten Album. Jedoch merkte man, dass er sichtlich Spaß auf der Bühne hatte, denn seine Interaktion mit dem Publikum war ungewöhnlich intensiv. Darauf spielte das absolute Festivalhighlight auf der kleinen Jack Daniel’s Stage. Dan Owen, ein Singer/Songwriter aus Shrewsbury. Dieser junge Engländer hatte so viel Energie und eine so reizvolle Stimme, dass viele vergessen haben, zum Headlinder Ben Gibbard zu trudeln. Den Frontman von Death Cab For Cutie zu hören war nach so einem Auftritt schon ein leichter Kulturschock. Das merkte man auch bei vielen BesucherInnen, die nach circa der Hälfte des Konzertes das Areal verließen. Schade, denn es war ein gehaltvoller Gig, aber dennoch etwas zu fade.

Fazit

Danke Acoustic Lakeside. Ihr habt es geschafft, mit minimalen Mitteln ein Festival der absoluten Spitzenklasse zu zaubern. Die Organisation und Grundstimmung waren über alle drei Tage top. Die sanitären Einlagen waren sauber, das Essensangebot war reichlich und das Bandangebot perfekt. Der einzige zu bemängelnde Punkt war, dass die kleine Bühne viel zu leise war, besonders wenn man hinten stand. Während des Soundchecks auf der Main Stage konnte man die KünstlerInnen kaum noch hören. Dennoch, das Acoustic Lakeside ist, wenn man auf ruhige Musik und anregendes Ambiente steht, das beste Festival Österreichs.

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