Klubkultur für Feinschmecker

Das poolbar//festival, das bereits mit dem österreichischen Kulturpreis ausgezeichnet wurde, wartet dieses Jahr wieder mit einem extravaganten Line-Up in der Wiener In-Location Pratersauna vom 7. bis 9. Mai und 10. Juli bis 15. August in Feldkirch auf. Das dreitägige Stadtfestival wird diesen Sound-Feinschmecker-Sommer mit einem weiteren Höhepunkt der Clubkultur garnieren. Aufgetischt werden internationale Acts wie Ellen Alien und der Londoner Dubstep-Pionier Skream. Unterstützt wird die Ton-Küche durch die besten Clubs und Kollektive der Stadt, die einzelne Floors hosten werden. Hierbei gilt entgegen der gängigen Regel – Viele Köche machen den Brei gut. Als Side-Dishes wird es Kulinarisches, Kunst und Mode geben, womit für ein großes, sattes Publikum gesorgt sein wird.

Österreichischer Kunstpreis 2014

Das Poolbar Team, geehrt von Heinz Fischer © poolbar//festival

Programm extraordinaire

Bereits der Donnerstag (7.Mai) verspricht mit „Klub Mutti“ als Gastgeber und dem Motto „Metamorphösen“ Spaß, Drag und Performance sehr speziell zu werden. Gefolgt von einem vielseitigen Wochenendprogramm, welches ihr hier einsehen könnt. Tickets sind bereits vorab erhältlich. Auch diese werden bereits mit tollen grafischen und lyrischen Goodies ausgestattet. Hierzu können auch noch literarische Köstlichkeiten von externen Kunst-Köchen eingereicht werden. Das poolbar//festival ist stets bemüht, an überraschenden Stellen kulturelle Mehrwerte zu bieten und so kann jeder zum diesjährigen Thema „Parallelwelten“, das auf parallele (Pseudo-)Realitäten verweist, einen Text verfassen. Noch bis zum 18. April 2015 können Texte aus, zu und für Parallelwelten unter literatur@poolbar.at eingesandt werden.

Wir haben Herwig Bauer, den Gründer des Festivals, ein bisschen zu seinen Ambitionen und dem Festival selbst befragt:

www.music-news.at: Hallo. Stell dich bitte kurz vor und erklär uns was du tust.

Herwig Bauer: Ich bin Herwig Bauer, Gründer des poolbar//festivals und gemeinsam mit Heike Kaufmann Geschäftsführer der poolbar Festival GmbH, die das poolbar//festival in Feldkirch veranstaltet.

www.music-news.at: Wie lange gibt es das poolbar//festival schon und was hat sich über die Jahre hinweg verändert?

Herwig Bauer: Das poolbar//festival wurde 1994 ins Leben gerufen – ursprünglich aber unter dem Namen „KreAktiv-Wochen“ und als Reihe künstlerischer Workshops konzipiert. Es sollte aber ein offenes, genre- und menschenverbindendes Format entwickelt werden, daher fanden die 18 Workshops von Theater über Malerei bis Film möglichst zeitgleich und im selben Gebäude statt – und Abends sollte über die Projekte geredet werden. Dafür und für die Abschlussfeier wurde eine Gastroinfrastruktur ins Gebäude gebastelt, die aber v.a. von uns und unseren Freunden genutzt wurde und sich rasch zum Selbstläufer entwickelte – und als von Freunden spontan eine „Rocky Horror Night“ ins Leben gerufen wurde, war das ein erster kleiner „Festival-Anfang“…und als mich unser späterer Grafiker fragte, ob er mit seiner Band bei uns spielen dürfe, war der Weg vorgezeichnet: Das poolbar//festival nahm seinen Lauf, das Abendprogramm war im Folgejahr schon fixer Teil der Veranstaltung und entwickelte sich kontinuierlich weiter, die Bands wurden immer größer und das poolbar//festival wurde sehr populär.

www.music-news.at: Was macht das poolbar//festival speziell und wie kam es zu dem Konzept hinter dem Festival?

Herwig Bauer: Ideale Voraussetzungen bietet die Location eines leerstehenden Hallenbades aus den 60er-Jahren – ein prägnanter, stilvoller Stahlbeton-Glas-Bau eines Corbusier-Schülers. Das Ganze mitten in einem wunderschönen Park – gleichzeitig aber quasi beim Feldkircher Stadtzentrum. Dieses spezielle Setting werten wir noch zusätzlich durch jährlich neue poolbar-Architektur auf – innen und außen wird jeden Sommer alles neu Gestaltet. Es steckt an allen Ecken und Ende viel Liebe in dem Festival. Und wir versuchen, auf allen Ebenen gute Gestaltung zu bieten – speziell die jährlich neue Grafik hat das Festival speziell in den Anfangsjahren quasi vor sich hergepeitscht und die Latte für das eigentliche Festival hoch gelegt. Auch die Festival-Dauer ist außergewöhnlich: 6-7 Sommer-Wochen lang bieten wir „Kulturelles von Nischen bis Pop“: Das Programm beschränkt sich nicht auf hochwertiges Musikalisches, auch wenn natürlich Bands wie Maximo Park, Aloe Blacc, Cro, Flogging Molly, Casper, Deichkind, Sportfreunde Stiller, HIM, Calexico, Theophilus London oder DJs wie Kruder&Dorfmeister, Moonbootica, Tiga, Zombie Nation, Camo&Krooked, Goldie, Felix da Housecat, HELL oder Simian Mobile Disco wahre Magnete sind – viele von ihnen hatten bei ihrem Auftritt bei uns noch keinen großen Namen, konnten also entdeckt werden. Speziell wird das Festival aber auch durch viele weniger bekannte, aber absolut entdeckenswerte Bands und DJs – und durch die Jazzfrühstücke jeden Sonntag unter freiem Himmel, durch die kleinen, akustischen „poolbar auf der Wiese“ Open Airs jeden Samstag bei freiem Eintritt, durch Kabarett und Poetry Slam, durch kleine Ausstellungen, Filmpremieren, Präsentationen und durch Visuals. Und Feldkirch wiederum ist einen Steinwurf von der Schweiz und Liechtenstein entfernt, und nach Deutschland ist es auch nicht weit – gute Voraussetzungen also auch für ein bunt gemischtes Publikum.

www.music-news.at: Wie kam es zu dem Kulturpreis? Was bedeutet er Euch?

Herwig Bauer: Der Preis, der ja erst zum zweiten Mal an eine Kulturinitiative ging, kam völlig überraschend – plötzlich erhielt ich einen Anruf aus dem Kunstministerium in dem mir mitgeteilt wurde, dass der„Kulturinitiativenbeirat“ uns als Preisträger vorgeschlagen hatte. Solche Momente würde ich mir regelmäßiger Wünschen. Es ist eine Auszeichnung von höchster Stelle – mehr geht nicht in Österreich. Das bedeutet uns als poolbar-Team, und auch für uns als verantwortliche Geschäftsführer (Anm.: Heike Kaufmann, Herwig Bauer) sehr viel und sagt uns, dass all die Mühen und Entbehrungen der vergangenen Jahre (Jahrzehnte!) nicht ohne Wirkung geblieben sind, sondern Einiges bewegt haben und geschätzt werden. Es ermutigt uns auch, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, kritisch zu bleiben, kulturelle und gesellschaftliche Nischen weiterhin mit „Pop“ zu kombinieren, viel Liebe in das Festival zu stecken, damit es weiterhin einzigartig und eigenartig bleibt.

www.music-news.at: Wie siehst du denn die derzeitige Diversität der „Club-Kultur“ in Wien? Was ist für dich markant und innovativ?

Herwig Bauer: Ich habe den Eindruck, Wien ruht sich längst nicht mehr auf den 90er-Lorbeeren aus und hat wieder den Anschluss an den Rest der Welt gefunden und mischt sogar gut vorne mit. Man sieht das aber nicht nur an der für mich längst nicht mehr überschaubaren Anzahl an Clubs, heimischen DJ-Kollektiven und immer mehr Locations sowie den großen Namen, die gebucht werden, sondern v.a. auch daran, dass die Leute junge, unverbrauchte Namen verlangen und beim Hype die ersten sein wollen. In diesem Zusammenhang sehe ich auch die phantastische Street Art Szene Wiens. Mit dem Fahrrad vom Flex bis zur Urania zu radeln ist ein beeindruckender Galerien-Besuch. Was hier an großartiger Street Art zu sehen ist begeistert mich immer wieder aufs Neue. Was sich jetzt hoffentlich noch verbessern wird ist das Vertrauen darauf, dass auch heimische Livebands in der Lage sind zu euphorisieren. Dass Bilderbuch, Wanda oder auch Parov Stelar die Massen mobilisieren, freut mich sehr. Warum sollten immer nur die internationalen Acts (und die „alten“ Österreichischen) die Hallen füllen? Aber auch noch weniger gehypte Bands aus Österreich verdienen sich ausverkaufte Gigs – und ich bin zuversichtlich, dass sich auch hier ein Live-Boom für die guten österreichischen Bands entwickeln wird.

www.music-news.at: Warum die Pratersauna als Location für das Poolbar? Weil pool & Bar?

Herwig Bauer: Hennes Weiß hat mich schon 2008, also ein Jahr vor der Eröffnung der Pratersauna, gefragt, ob wir dort nicht aktiv werden wollen – er wolle keinen reinen Club machen, sondern einen kunstsinnigen Ort etablieren. Er hat mir dann die leer stehenden Räumlichkeiten gezeigt, die in vielen Aspekten ähnliche Voraussetzungen wie in Feldkirch schufen: ähnliche Vornutzungsgeschichte, viele parallel bespielbare und gestaltbare Räume, eine herrliche Wiese – und das Gebäude wurde 1965 fertig gestellt, genau wie das Alte Hallenbad in Feldkirch. Das alles passte perfekt und Heike Kaufmann und ich haben beschlossen, den lange gewälzten Traum vom poolbar-Ableger in Wien Realität werden zu lassen.

www.music-news.at: Wie sehen die Zukunftspläne aus? Was darf man erwarten?

Herwig Bauer: Wir haben 2014 den poolbar//generator ins Leben gerufen: eine Workshop-Woche im Februar, in der gemeinsam mit den Sofa Surfers Musik, Choreografie/Tanz, Bühnenbild, Visuals entwickelt wurden – am Ende Stand im Sommer ein Sofa-Surfers-Konzert, bei dem neue Musik mit Tanz, Bühnenbild und Visuals und ein Musikvideo präsentiert wurden. Heuer gingen wir noch einen Schritt weiter, warfen alle Gestaltungswettbewerbe über Bord und haben stattdessen im Rahmen des zweiten poolbar//generators für das Festival Grafik, Architektur, Visuals, Kunst, Mode und Musik entwickeln lassen. Über 60 Personen haben eine Woche lang intensiv daran gearbeitet, Ideen zu Konzepten werden zu lassen – und aktuell werden diese Konzepte umgesetzt. Für den Sommer entsteht so großartiges Neues – und diese Schiene des poolbar//generators bietet auch für die Zukunft eine ungeheure Fülle an Möglichkeiten, das poolbar//festival permanent weiter zu entwickeln – wir sind bis in die Zehenspitzen motiviert, und es gibt viele gute Leute, die diese Entwicklung mittragen wollen.

www.music-news.at: Deine Lieblingsmusik?

Herwig Bauer: Aktuell höre ich gerne Alt-J, Foals, Jack Garratt, Wanda, Darwin Deez.

Das poolbar//festival verspricht also mit einem großartigen Programm aufzuwarten und wer das Mini-Festival in Wien verpassen sollte oder einfach Lust hat das Ganze zweimalig in Österreich zu bestaunen, kann sich entweder die Action in der Wiener Pratersauna von 7. bis 9. Mai geben oder sich vom 10. Juli bis 15. August in Feldkirch zum eigentlichen Festival einfinden.

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