ein starkes Festival

Seit 20 Jahren gibt es bereits das Open Air Ottensheim, diesmal findet es von 17. bis 18. Juli statt, bedient werden vor allem die Genres Rock, HipHop, Noisecore, Reggae und Punk. Ottensheim liegt nicht weit von Linz entfernt, von wo aus man gemütlich mit Shuttlebussen anreisen kann, Karten sind günstig für 22€ (1 Tag) bzw. 30€ (2 Tage) im Vorverkauf und 26 bzw. 35 € an der Abendkasse zu haben. Den Startschuss am Freitag um 18:30 machen Anna vs Unused Words. Die Bad Ischlerin erfreut uns mit warmen Klängen ihres Fender Rhodes, ihre Beats lässt sie sich von den Stars der jungen österreichischen Produzentenszene wie Chris Fader und Stikz machen, europaweit bekannt wurde sie vor allem durch ihre Akkustikstücke. Danach zeigen uns die ehemaligen „Schwiegarapper“, Sam & Akinyemi in Zusammenarbeit mit DJ Abby Lee Tee (als Trio nenen sie sich Hinterland), was der österreichische Hip-Hop zu bieten hat. Im Gepäck ist das neues Album „Bis ana reat„. Neben eindeutigen Hip-Hop Beats sind auch atmosphärische elektronische Melodien fixer Bestandteil ihres Sounds, die durchwegs optimistischen Texte handeln meist von ihrer Liebe zur Musik. Es wird gefeiert werden, und, um es in der Sprache von Hinterland zu sagen: „ Ans is fix: es wiad fett!“

Um 21:20 wirds dann schräg / funky mit dem 6-köpfigen Improvisationskollektiv Arktis/Air. Freie Improvisationen treffen auf klare, spontan entstehende Songstrukturen, wobei der Spannungsbogen von minimalistischem Duo bis zur beinahe berstenden Noise-Maschinerie reicht. Die Band ist ständig in Bewegung, brodelt und dampft, schreit und zischt, erinnert an Free-Jazz-Formationen, um sich dann doch im Gewand einer Rockband zu präsentieren. Die Besetzung allein ist schon ungewöhnlich, eine Keyboard-Section trifft auf eine Gitarren-Section, ein Solist, der gar keiner ist, und ein Schlagzeuger, der sich einmal als rhythmischer Antreiber versteht, um ein andermal mit minimalistischen Geräuschen für Überraschungen zu sorgen. Line-up: Philipp Harnisch (Saxophon), Bernhard Höchtel & Bernhard Geigl (Keyboards), Robert Pockfuß & Markus Steinkellner (Gitarre), und Niki Dolp (Drums).

die tentakel greifen zu

Höhepunkt des Abends sind Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi: Entspanntes Philosophieren zwischen Tiefsinn und Unsinn, dazu funkige Beats. Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi sind ein Kollektiv zur vertieften Erforschung der sieben Wortmeere. Mit Kontrabass, Betonmischtrommel, Gitarre, Geschirr und Haushaltsartikeln durchsegeln sie den Dickdarm des Hip Hop bis in die Nebenvenen des schamanistischen Trashfunk. Sie jagen Geister, reiten Monster und erobern neue Landstriche des Unsichtbaren. Dabei sorgen sie für Begeisterung vom ersten bis zum letzten Beat.

Für die Aftershowparty am Freitag konnten zwei Persönlichkeiten engagiert werden, die beide aus der österreichischen Soundsystemszene nicht mehr wegzudenken sind, und doch aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen. Miss Shina ist musikalisch im Bereich Techno-Dubstep-Breaks beheimatet, Paul Zasky’s musikalischen Wurzeln hingegen müssen eher in der jamaikanischen Soundsystem Kultur gesucht werden. Wir sind gespannt.

aussprache

Am Samstag Nachmittag um 14:00 hat man wie auch letztes Jahr die Möglichkeit, sich oral einzubringen und sich im Rahmen des „Redeschwall-Das Ottensheimer Soundgespräch“ auszutauschen. Ein Nachmittag des Ottensheim Open Air wird somit wieder gänzlich dem Gespräch über Sound und Musik gewidmet sein. Dieses Jahr soll jedoch neben der diskursiven auch die auditive Ebene stärker in den Vordergrund gerückt werden. Man möchte das kreative Potenzial von Musikschaffenden und Musikinteressierten zusammenführen und ausweiten. Es soll die Möglichkeit geboten werden, vorhandene Strukturen im Bereich Sound und Musik aufzugreifen, zu verbessern und zu fusionieren. Dabei sollen Musikschaffende verschiedenster Genres genauso im Mittelpunkt stehen, wie ProduzentInnen, OrganisatorInnen und TheoretikerInnen. Das Spektrum musikalischer Auseinandersetzung soll in seinem ganzen Potenzial ausgeschöpft werden, mit dem Ziel zu fusionieren und mögliche neue Verbindungen zu schaffen. Es wird ein Ort generiert, der als soziales Kommunikations- und Austauschfeld dienen soll.

Um 18 Uhr legen dann die vier Exil-Burgendländer und Wahlwiener von Torso los. Bereits drei Jahre ist es her, dass Torso mit ihrer EP „Inside“ so manche Psych-Rock Fanaugen zum Glänzen gebracht haben. Heavy Psychedelic Rock gepaart mit musikalischen Einflüssen der 70er, vor allem dem Blues, liefern die Basis für herausragende Vocals zwischen Jam- und Soloparts. Kein Song klingt wie der andere, und mit ebendieser Abwechslung schafft es die Band wunderbar, die Menge zum Abgehen zu bringen. Klar ist: Torso wird allen Festivalbesuchern am Samstag zum Start des Konzertabends mal ordentlich die eventuell vom Vortag noch verschlagenen Ohren ausputzen. Und darauf freuen wir uns! Nachlegen werden dann Schmieds Puls, das Trio der Sängerin und Gitarristin Mira Lu Kovacs. Die Wahlwienerin spielt sich leichtfertig in die emotionalen Weichteile der Zuhörer und zeigt Feingefühl. Ab und zu tut es weh, kommen todessehnsüchtige Gedanken auf und werden von ihrem glockenspielhellen Gesang wieder besänftigt! Wunderbarer Indie bis vertäumter Pop. Wir freuen uns vor allem auf „Play Dead“ das Titellied der Debüt-CD von Schmieds Puls. Um 20:40: Faela, die sich 2007 in Malmö (Schweden) formiert haben. Seitdem eroberten sie die Bühnen vieler Feste und Festivals in ganz Europa, und gewannen außerdem den Publikumspreis des 8. Strassenmusik Festivals in Ludwigsburg im Juni 2011.

heroisches finish

Verstärkung kommt aus Polen: die klassische Post-Rock & Metalband Tides from Nebula erinnert an Isis, ist jedoch für eine so junge Band sehr eigenständig und live fast unschlagbar, weil sie eine so umwerfende Leidenschaft an den Tag legen. Danach kommt ein sehr  interessantes Trio: Quehenberger / Kern / TJ Hicks. DD Kern ist einer der umtriebigsten Drummer des Landes, Quehenberger rockt die bekanntesten Clubs mit seinen Synths und der in Wien lebende Detroiter Labelchef von „minimalsoulrecords„, TJ Hicks tüftelt seit seiner Kinderstube an Sounds. Etwas nach Mitternacht starten dann Dubblestandart ft. Soulcat E-Phife. Die Wiener Formation Dubblestandart zählt längst zur Speerspitze der heimischen Dub-Szene. 1988 gegründet, haben sie seither mit allen wichtigen Vertretern des Gernres Dub / Reggae zusammengearbeitet: Lee Scratch Perry, Ariup, Dillinger, Waldeck, Mad Professor, Mark Stewart, David Lynch, Adrian Sherwood. Mächtige Bässe und Echos, ein unwiderstehlicher Groove aus Reggae mit vokalen fill-ins. Unterstützt werden sie in Ottensheim von Soulcat E-Phife, einer dominikanischen Rapperin, die seit Kindheitstagen in Österreich lebt

Zur Aftershowparty lädt dann Djini Godez: Die weltbereiste Dame bringt Einflüsse von 60’s Soul & Funk bis hin zu karibischen Klängen mit ein und ist definitiv die coolste Lady an den Plattentellern die weit und breit zu finden ist! Ein starkes Finale für ein starkes Festival!

fotocredits: www.openair.ottensheim.at

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