Am 13. März 2015 gastiert eine der derzeit angesagtesten Bands Österreichs im Grazer Orpheum.

„Es gibt zu wenig Sex in der deutschsprachigen Musik.“ Mit dieser Aussage erregte die österreichische Indie-Band Bilderbuch einiges an Aufsehen. Doch nicht nur dieses mutige Statement brachte den vier Jungs große Aufmerksamkeit. Ihr einzigartiger Sound, der sich auf Indie-Rock, Pop, Art-Punk und Hip Hop stützt, will den angesprochenen Mangel an Sexyness in der deutschsprachigen Musik kompensieren. Dass sie die Coolness offensichtlich mit der Muttermilch aufgesogen haben, sollte spätestens mit ihrem Superhit „Maschin“ klar sein.

Ein bereits 10 Jahre langer Weg

Jedoch stellte sich der Erfolg von Bilderbuch nicht erst über Nacht ein. Zur Gründungszeit im oberösterreichischen Kremsmünster im Jahre 2005 waren die Mitglieder erst 14 und 15 Jahre alt. Der Name der von Maurice Ernst (Gesang), Klemens Kranawetter (Gitarre), Andreas Födinger (Schlagzeug) und Peter Horazdovsky (Bass) gegründeten Musiktruppe entstammt dabei angeblich der anfänglichen Vorliebe der Jugendlichen, Märchen zu vertonen. Noch bevor das erste Album im Jahr 2009 erschien, unterlagen Bilderbuch einigen einschlägigen Veränderungen. So siedelten die Oberösterreicher 2008 vom beschaulichen Kremsmünster in das doch etwas größer dimensionierte Wien. Auch verloren sie vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums Gitarrist Kranawetter wegen persönlichen Differenzen. Dieser wurde durch Michael Krammer ersetzt, der bis heute für die Pop-Hoffnungen in die Saiten greift. Mit ihrem ersten Longplayer namens „Nelken & Schillinge“ begann der Erfolgslauf von Bilderbuch. Ihre Musik war von Anfang an treibend, wiedererkennbar und tanzflächentauglich.

Mit Hip Hop zum Erfolg

Bilderbuch

Äußerst selbstbewusst: Bilderbuch

Der ganz große Durchbruch blieb dennoch aus. So kam es, dass die Wahlwiener nach einigen musikalischen Veränderungen 2013 beinahe eine Komplettverwandlung hinlegten. Die Entwicklung nahm bereits im November 2012 erste Züge an, als Schlagzeuger Födinger die Band verließ. Mitten in der kreativen Phase, als halbfertige Ideen einen Abschluss suchten, stieß Philipp Scheibl zur Band. Der neue Schlagzeuger brachte eine gehörige Portion Hip Hop in das Bilderbuch-Universum mit und war somit maßgeblich an der neuen Ausrichtung beteiligt. Die Band überraschte ihre Fans auf der Anfang 2013 erschienenen EP „Feinste Seide“ mit einer Abkehr vom Dancefloor-Rock und einem hörbaren Lippenbekenntnis zum Hip Hop. Bei der sich darauf befindenden Single „Plansch“ kramte die veränderte Band sogar den oft gehassten Auto-Tune-Effekt aus der schon angestaubten 90er-Kiste hervor. Eine brutale Kehrtwendung wenn man bedenkt, dass die Jungs als klassische Cover-Band begonnen haben und Songs von englischsprachigen Bands wie den Strokes zum Besten gaben. Doch gab der Erfolg ihnen eindeutig Recht. „Plansch“ stieg in die Fm4-Charts ein und mit der nachfolgenden Single „Maschin“ lösten sie einen wahren Begeisterungssturm aus. Die Single wurde einer der größten deutschsprachigen Hits der letzten Jahre und findet sich in vielen Bestenlisten diverser Zeitschriften, Online-Seiten und Musiksendern wieder.

Im Gepäck: ein neues Album

Wenn Bilderbuch ihre Lässigkeit und Coolness tänzelnd auf die Bühne des Grazer Orpheums bringen, haben sie noch einen weiteren Trumpf im Ärmel. Am 20. Februar erscheint ihr neues Album „SCHICK SCHOCK“. Dass sie auf diesem Album ihrer Linie folgen, die sie mit der EP „Feinste Seide“ begonnen haben, beweisen die bereits veröffentlichten Singles des Albums „Spliff“ und „OM“. Die Texte pendeln noch immer zwischen Parole und Poesie, sind abstrakt und sind auch, oder vielleicht eher vor allem, nach öfterem Hören kaum nachvollziehbar. Die Drums treiben und die Riffs quietschen. Die Songs sind mit viel österreichischem Spirit versehen und mit Gitarrenschnörkeln veredelt. Auf den immer größer werdenden Bühnen dieses und anderen Landes trägt Sänger Maurice Ernst seine kryptischen Texte mit verschmitztem Grinsen und in den geschmacklosesten Hemden, die sich für jede Bad-Taste-Party bestens geeignet zeigen, vor. In Kombination mit seinen ausgewaschenen blonden Haaren fühlt man sich zwar schmerzhaft, aber auch scherzhaft an die 80er Jahre erinnert. Ernst ist ein großer Exzentriker mit massenhaft Selbstvertrauen, der es bravourös meistert, Pathos und große Gestik zu vereinen. Arrogant und charismatisch zugleich – das schaffen nur wenige. Vielleicht fühlt man sich deshalb bei Auftritten von Bilderbuch zart an Falco erinnert. Doch beansprucht Ernst die Bühne nicht für sich alleine. In und zwischen den Songs darf der ebenso arrogant charmante Michael Krammer immer wieder mal zeigen, was er so drauf hat. Die Gitarre klingt ungeschliffen und wird auch schon mal gerne hinter dem Kopf gespielt. Selbst bei den Gitarreneinlagen, bei denen sich Krammer lasziv an seine Gitarre schmiegt, bemerkt man die außergewöhnliche Selbstinszenierung, die die Band kennzeichnet.

Wer sich nun an den Amadeus Awards-Gewinnern interessiert zeigt, sollte die Chance wahrnehmen und dieser besonderen Band seine Aufwartung machen. Denn eines steht fest: der Weg von Bilderbuch ist noch lange nicht zu Ende!

Fotocredit: Bilderbuch Facebook

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