Das war der MTV Headbangers Ball
Alles in allem ein mehr als gelungenes Konzert. Jede Band spielte motiviert und mit viel Nähe zum Publikum. Einziges Manko war teilweise der Sound.
Location
Sound
Bands
4.4Sterne

Wien ist die Hauptstadt der Bälle. Mit dem MTV Headbangers Ball gab es am 16. Dezember auch eine Festivität für die Liebhaber der härteren Klänge.

Wer mit Opernball, Lifeball und Co nichts anfangen kann, es lieber laut mag und seinen Dresscode am liebsten mit seiner Kutte und dem Lieblings-Band-Shirt verfeinert, bekam mit dem MTV Headbangers Ball eine Veranstaltung, die in kalten Wintertagen für verschwitzte Leiber sorgte. Am 16. Dezember fanden sich in der Arena Wien vier Metal-Größen aus den den verschiedensten Genres ein, um mit dem Publikum die metallischen Klänge zu zelebrieren. Mit dabei waren Unearth, Kataklysm, Ensiferum und Iced Earth.

Die Location

Die Arena Wien ist eine geschichtsträchtige Location, deren Entstehung vor über 30 Jahren begann. In Ermangelung an Veranstaltungsorten für die alternative Kultur-Szene wurde ein dem Abbruch freigegebenes Gebäude besetzt, um es eben für diesen Zweck zu akquirieren. Da die ursprüngliche Arena dann einige Monate später aber schlussendlich doch abgerissen wurde, fand sie im benachbarten Inlandsschlachthof ein neues zu Hause, in dem bis zum heutigen Tag gefeiert und gerockt wird. Optisch sieht man den Gebäuden das Alter an, was bereits auf dem Weg zur Arena Eindruck schindet. Die Mischung aus alt-belassenen Gebäuden, gepaart mit Graffitis und moderner Gastronomie und Bühnentechnik lassen ein ganz besonderes und rustikales Bild entstehen. Als Konzertliebhaber fühlt man sich hier sofort zu Hause

Die Bands

Eröffnet wurde das Konzert mit der amerikanischen Metal-Core-Band Unearth. Als erste Gruppe des Abends hatten sie die Uhrzeit, die Stimmung und den Sound gegen sich. Sie spielten ihr Set sichtlich motiviert, doch der frühen Stunde geschuldet war das Publikum noch nicht so recht in Stimmung. Soundtechnisch gab es einige Diskrepanzen, durch die man die Vocals kaum verstand. Unearth haben das beste aus dieser Situation gemacht, und trotzdem von der ersten bis zur letzten Minute mächtig aufs Gaspedal gedrückt.

Bei Kataklysm war die Stimmung schon merkbar besser. Auch wurde anscheinend am Sound gewerkelt, da dieser auch um einiges differenzierter klang als noch einige Minuten davor. Die kanadischen Death-Metal-Urgesteine machten sich diese beiden Faktoren zu Nutze und heizten dem Publikum mit einem Best-Of ihrer Diskographie richtig ein. Sänger Maurizio Iacono gab sich sehr kommunikativ und motivierte das Publikum immer weiter, was in einige Mosh-Pits mündete.

Richtig in Bewegung und Singlaune kam die Menge aber erst bei Ensiferum. Die Finnen konnten mit ihrem Folk-Metal die Masse mobilisieren und es wurde aus Leibeskräften mitgesungen. Der Sound war nahezu perfekt, wobei auch hier wieder die Vocals etwas schwach rüberkamen. Mit vielen Songs zum mitsingen und -tanzen war jede Minute ein Genuss. Die vielen „exotischen“ Instrumente der CD-Versionen wurden live von einer Ziehharmonika und den Gitarren simuliert, was überraschend authentisch klang. Als einzige europäische Band des Abends haben sie auf jeden Fall gezeigt, dass auch Metal aus Europa mehr als nur gut ist.

Voller Spannung wartete das Publikum dann auf den Headliner. Gegen 23:00 Uhr betraten Iced Earth die Bühne, um das letzte bisschen Energie aus den Anwesenden zu kitzeln. Gefühlt in jedem Song wurden die Melodien mitgesungen oder zum Rhythmus die Pommesgabeln in den Himmel gestreckt. Sänger Stu Block entpuppte sich als Entertainer und hielt die Fans stets bei Laune. Instrumental und gesanglich war es auf jeden Fall ganz großes Kino. Besonders die Stimmreichweite von Sänger Stu hat live sehr überzeugen können. Von tief bis unglaublich hoch fühlte man sich an Sänger wie Bruce Dickinson erinnert.

Fazit

Bis auf die gelegentlichen Schwächen im Sound haben alle Acts überzeugt. Die Mischung aus vier eher verschiedensten Sub-Genres des Metals hat überraschend gut funktioniert und kam auch beim Publikum an. MTV hat hier seiner alten Sendung alle Ehre gemacht und Metal in Bestform abgeliefert. Laut Social-Media-Posts ist zumindest schon eine 2017er-Auflage des Headbangers Ball in Planung. Mit der Arena Wien ist auch eine perfekte Location für ein Konzert dieser Art gefunden worden. Besonders organisatorisch und technisch lief alles super über die Bühne. Lobenswert waren die kaum wahrnehmbaren Wartezeiten und Umbauphasen zwischen den Bands. Kurz ein Bier geholt, eine geraucht oder aufs Klo gegangen und schon hörte man bereits die ersten Töne der nächsten Band. Schade nur, dass die Arena wenig bzw. keine eigenen Parkplätze für Gäste hat, was aufgrund der guten Öffi-Anbindungen in der Hauptstadt aber Meckern auf hohem Niveau ist.

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