For those about to… whatever
Musik
Live-Darbietung
Stimmung
3.3STERNE

Zwischen Guns’n’Roses und AC/DC, gerne Axl/DC genannt: Nur ein Jahr nach ihrem Mega-Konzert am Red Bull Ring spielten AC/DC vor rund 50.000 Leuten im Ernst Happel Stadion in Wien.

Als es dunkel wird, fangen sie zu blinken an, die tausenden roten Hörner auf den Köpfen der Zuschauer. Das ist stimmungsvoll und spült weiteres Geld in die Kassen der Band. Nach einem schwer zu deutenden bombastischen Mondlandungs/Meteoriten-Videointro tobt die Menge. Blieben Tyler Bryant & The Shakedown aus Nashville mit ihrem relativ klassischen Hard Rock noch relativ unbeachtet – die Leute kamen ja auch wegen AC/DC, nur wegen AC/DC –, kennt die Euphorie bei den ersten Klängen zu „Rock or Bust“ keine Grenze mehr. Angus Young, um den es an diesem Abend in erster Linie zu gehen scheint, wie nicht anders zu erwarten in seine grüne Uniform mit kurzer Hose gewandet, poltert auf die Bühne. Die große Unbekannte ist Axl Rose, Sänger und Frontman von Guns’n’Roses. Nach einem Beinbruch vor einigen Wochen humpelt er mit einer Gehschiene auf die Bühne. Zwar dient ihm nach wie vor Dave Grohls (Foo Fighters) Thron als Unterstützung, doch er verbringt erstmals wieder größere Teile des Abends auf eigenen Beinen. Schnell macht sich große Erleichterung breit: Axl Rose hat nicht nur seinen Stil und seine Pünktlichkeit wiedergefunden, sondern auch seine so außergewöhnliche Stimme. Für viele überraschend, harmoniert diese auch durchaus gut mit AC/DC. Natürlich hätten viele lieber Brian Johnson auf der Bühne gesehen, doch Rose macht seine Sache als Sänger gut. Als Frontman fungiert er hier jedoch nicht, bis auf kurze Songankündigungen bleibt er meist still. Angus Young agiert zwar souverän als Rampensau, doch zum Frontman wird auch er nicht. Das Schiff Axl/DC bleibt also führerlos.

Zwei Stunden Hau-Drauf-Rock

Was folgt, ist eine über zweistündige Show durch AC/DCs umfangreiches Machwerk: von „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ über „You Shook Me All Night Long”, „Highway To Hell”, „TNT” und „Let There Be Rock“, das Angus Young mit einem ausufernden Gitarren-Solo versieht, bis hin zu den Hits der letzten Jahre wie „Rock’n’Roll Train“ und dem bereits erwähnten „Rock or Bust“. Und somit kommen wir zum Problem des Abends. Die ganze Show bleibt völlig ohne Höhen und Tiefen, ohne Ecken und Kanten. Axl/DC lassen jegliche Dramaturgie im Konzert vermissen. Man möchte sogar meinen, sie haben dem Rock den Roll gestohlen. Ein Hau-Drauf-Rocker folgt dem nächsten, ungestüm und empathielos. So viele Heldentaten AC/DC geleistet haben, so viele Wege sie auch bereitet haben: In diesem Format verliert ihre Rockmusik ihre Relevanz. Es scheint, als wären ihre Songs in erster Linie noch dazu gut, die Soundanlagen tiefergelegter Audis zu beschäftigen und für Mitgröhl-Stimmung auf Zeltfesten zu sorgen.

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