Die Musik des Trios hat so viele Einflüsse und Nuancen, dass es sehr schwer fällt dem ganzen einen Stempel aufzudrücken und in eine Schublade einzuordnen. In Medienberichten wird ihr Sound manchmal als Folk bezeichnet, doch dies wird der Vielfältigkeit und Andersartigkeit nicht gerecht. Willo, Lucas und Douglas sind die drei spannenden Persönlichkeiten, die Three For Silver zu einer außergewöhnlichen Mischung sagenhafter Stimmen, musikalischen Könnens und Seele verhelfen. Dass alle drei unsere Fragen beinahe komplett individuell beantwortet haben, freut uns besonders, weil es uns die Gelegenheit gibt, die drei leidenschaftlichen Musiker hinter dem Namen Three For Silver etwas näher kennen zu lernen.

Das Interview:

music-news.at Wie lange gibt es die Gruppe Three For Silver schon? Erzählt uns, wie alles angefangen hat!

Lucas: Three For Silver gibt es seit etwa 5 Jahren. Willo und ich trafen uns auf einer Tournee im Underscore Orkestra. Wir entdeckten unsere gemeinsame Liebe zu ähnlichen Sounds und Stilen und entwickelten beide viele unserer eigenen Songs. Damals waren wir beide Mitte 20 und waren jahrelang mit anderen Bands unterwegs. Wir hatten das Gefühl, dass jetzt der Zeitpunkt war, eine eigene Band auf die Beine zu stellen.

music-news.at: Was ist Euer musikalischer Hintergrund?

Willo: Ich war als Kind im Chor, und nahm auch viel Klavierunterricht. Aber als Teenager und in den Anfang zwanzigern habe ich eigentlich keine Musik gemacht. Dann wurde ich in das Underscore Orkestra, eine Band, die gerade auf Tour war, aufgenommen und habe mir das Akkordeon selbst beigebracht. Ich war besessen von der osteuropäischen Volksmusik. Das war meine große Leidenschaft.

Douglas: Ich hatte mich etwa fünf Jahre lang auf Heavy Metal spezialisiert, und hauptsächlich Lead-Gitarre gespielt. Nachdem ich mich zunehmend akustischen Stilen gewidmet hatte, hab ich mir die Lap Steel Gitarre ausgesucht. Ich habe mich dann auch mit klassischer Musik beschäftigt. Ein Großteil meines Hintergrunds ist eine seltsame Kombination aus dem, was kulturell um mich herum war, wie Gospel und Blues, aber auch dem, was mir gefiel, wie Heavy Metal. Jetzt tue ich, was immer das ist, was ich tue. Und naja, Cannabis hatte die Musik auch immer begleitet.

Lucas: Mein ausschlaggebender Moment war es, als ich mit 15 Jahren ein Django Reinhardt Album hörte. Es ist unklar, warum ein Kind in Zentralflorida besonders viel mit dieser Musik anfangen konnte, aber als ich sie hörte, wusste ich, dass ich genau so etwas auch tun wollte. Ich war dann etwa zehn Jahre besessen von der Gipsy-Jazz-Gitarre, also von etwa 15 bis 25. Ich hatte ein paar Gruppen, die ich leitete, und spielte diesen Stil auch in verschiedenen Bands. Den Bass spielte ich weitgehend nur für mich privat, weil ich nicht wusste, was ich damit anstellen sollte. Bis wir dann mit Three For Silver begannen, was sehr stark auf meinem Bassspiel aufbaut. Und naja, Douglas hat die ganze Zeit mein ganzes Gras begleitet. (lacht)

music-news.at Was ist eure Hauptquelle für Inspiration?

Douglas: Jesus, Cannabis und Lachen.

Willo: Reisen sind immer sehr inspirierend. Es ist ein ständiger Zustrom von neuen Menschen, Ideen und Orten. Das zu tun, was man in diesem Leben liebt, ist selten und wertvoll.

Lucas: Für mich sind es alte Disney-Filme.

music-news.at Ist Eure Musik an eine bestimmte Message gekoppelt? Etwas, was Ihr Euren Hörern bewusst machen wollt?

Douglas: Nein.

Willo: Nein.

Lucas: Nein.

music-news.at Manchmal heißt es Euer Musikstil sei Folk, aber irgendwie anders. Was sind die Einflüsse in Eurer Musik, die sie so einzigartig machen?

Douglas: Ich sehe das so, in dieser Band spiele ich oft osteuropäische Songs mit einem hawaiianischen Lapsteel, während ein anderer Kerl aus einem Bass, der aus einer Wäschewanne gemacht ist, die Hölle rausdrescht. Seltsame und neue Klänge sind da unvermeidlich.

Willo: Wir spielen traditionelle Instrumente (naja, Lucas nicht), und ich denke, das führt dazu, dass wir aufgrund der Instrumentierung in einige Genres verstrickt werden, aber nicht wegen des Sounds. Selbst wenn wir traditionelle Musik spielen, klingt es immer nach uns. Anders ausgedrückt, Puristen neigen nicht dazu, mit uns sehr glücklich zu sein.

Lucas: Ich weiß nicht, was Folk ist. Du beziehst dich entweder auf bestimmte kulturspezifische Stile oder einfach auf den Akt von Menschen, die Musik propagieren. Ein altes Mitglied von Three For Silver (der nicht genannt werden soll) pflegte zu sagen, dass Alle Musik Folk ist. Ich glaube nicht, dass er sich irrt, aber ich glaube auch nicht, dass diese Antwort sehr hilfreich ist. Alle diese Genre-Titel versuchen nur, potenziellen Hörern ein Gefühl zu vermitteln, und der Titel Folk passt irgendwie. Es erinnert an ältere Sounds und ältere Stile, und das ist immer etwas, das uns Spaß macht. Unsere Band ist ein Schandfleck für Publizisten.

music-news.at Habt Ihr jemals einen Song unte dem Einfluss von Cannabis geschrieben oder komponiert?

Willo: Manchmal zum Üben. Es kann sehr hilfreich sein, um sich bestimmten repetitiven Techniken wie Skalen und Arpeggios (bestimmte Art von Akkorden) zu nähern.

Douglas: Meistens werden meine Songs unter dem Einfluss von Cannabis geschrieben. Das ist ein wirksames Abschreckungsmittel gegen das Schreiben guter Songs. (Er macht deutlich, dass es ein Witz war). Aber ja, neun von zehn Songs werden unter dem Einfluss von Cannabis geschrieben.

Lucas: Ich habe noch nie irgendwelche Lieder über Cannabis geschrieben. Manchmal spielen wir ein Cover von „Me, I get High On Reefer“ von der Two Man Gentlemen Band, das das Original beschämt. Die Aufführung dieses Songs führt oft dazu, dass Joints in den Trinkgeld-Behälter geworfen werden. Da fragte ich mich, was ich sonst noch in den Trinkgeldbehälter geworfen bekommen könnte, wenn ich einen Song darüber schreiben würde? (lacht)

music-news.at Welche Auswirkungen hat Cannabis auf Eure Musik? Motiviert es Euch oder eher nicht? Könnt Ihr damit konzentriert bleiben?

Willo: Wenn überhaupt, könnte ich mich zu sehr konzentrieren. Deshalb tendiere ich dazu, es während des Auftritts zu vermeiden, aber es kann zum Üben nützlich sein. Cannabis kann ermöglichen, Dinge auf eine atomare Ebene zu bringen, wie z.B. die Musik durch ein leistungsstarkes Mikroskop zu betrachten. Wenn ich Schwierigkeiten habe, etwas sehr komplexes zu spielen, kann Cannabis mir helfen, mich besser mit den Details auseinanderzusetzen.

Douglas: Es ist motivierend für etwa zwanzig Minuten, danach werde ich von meinem Hund, meinem echten, realen Mikroskop oder anderen Dingen auf meinem Schreibtisch abgelenkt. Dann wandere ich in den Wald neben meinem Haus, rauche wieder und hab dann nochmal gute zwanzig Minuten. Wiederholen Sie dies bis zur Mittagspause.

Lucas: 99% der Male, die ich rauche, schlafe ich entweder ein oder drifte ab bis zur Nutzlosigkeit. Also rauche ich nicht, während ich übe oder auftrete. Mein musikalisches Werk ist definitiv mehr vom Konsum heroischer Kaffeemengen beeinflusst.

music-news.at Was denkt Ihr über die Weltweiten Legalisierungsprozesse?

Willo: Ich denke, es ist unvermeidlich, dass es legalisiert wird. Es wird so viel Arbeit geleistet, um Vorteile für Krebs, Schmerzbehandlung, Schlaflosigkeit usw. aufzuzeigen. Es ist lächerlich, die Nutzung von Hanf als kriminelle Aktivität zu betrachten. Das ergibt keinen Sinn.

Douglas: Es sollte nicht illegal sein, und es sollte sicherlich kein Verbrechen sein. Ich habe Freunde in Indiana, die eingesperrt sind, weil sie mit einem Hanfsamen erwischt wurden. Das ist absolut inakzeptabel.

Lucas: Das Verbot jeglicher Substanzen ist absurd und inakzeptabel. Sie führt nur zu einer massiven Zerstörung von Menschenleben und zur Verschwendung staatlicher Ressourcen. Cannabis ist möglicherweise das gravierendste Beispiel dafür, da seine Vorteile so vielfältig sind und seine Gefahren so gering. Alkohol ist gefährlicher. Tabak ist gefährlicher. Alle Stoffe sollten mit Respekt behandelt und sinnvoll und verantwortungsbewusst eingesetzt werden. Das ist unmöglich mit scheinheiligen und moralisierenden Verbotsgesetzen.

music-news.at Wisst ihr von Cannabidiol und seinen positiven Wirkungen auf die Gesundheit? Habt Ihr schon einmal CBD angewendet? Wenn ja, wie? War es hilfreich?

Douglas: Ich habe es versucht, und es hat mir persönlich nicht geholfen. Ich bin aber sicher, es kann in der richtigen Anwendung für die richtige Person nützlich sein.

Willo: Ich habe festgestellt, dass CBD für meine allgemeine Verfassung extrem vorteilhaft ist. Ich mag es nicht wirklich, mich stoned zu fühlen, aber ich bewältige einige chronische Schmerzprobleme aufgrund alter Verletzungen, und CBD kann da sehr effektiv sein. Es hilft auch gut bei Schlaflosigkeit.

Lucas: Wir haben Glück, in Oregon zu leben, wo man einfach in einen Laden gehen und extrem reine CBD-Produkte kaufen kann. Ich profitiere eine Menge von der Schmerzlinderung, indem ich CBD-Öl auf meinem rechten Arm getan habe, bei dem die Muskulatur durch meinen körperlich sehr anspruchsvollen Bassstil oft verspannt und gereizt ist.

music-news.at Ihr seid viel gereist, um Eure Musik zu verbreiten. Wo gab es die besten (oder lustigsten) Reaktionen?

Douglas: Zu Hause, Port Townsend, wo ich einen wöchentlichen Auftritt habe. Jeden Dienstag. Hier kann ich neues Material, neue Witze ausprobieren und bekomme die größten Lacher. Besucht mich alle am Dienstag im The Cellar Door in Port Townsend!

Willo: Die beste Resonanz gab es in Europa, insbesondere in Österreich und Deutschland. Das Publikum scheint unsere Musik und Konzerte im Allgemeinen wirklich zu genießen und zu schätzen. Einmal spielten wir in Russland. Nach uns spielte eine Hard Rock Coverband. Sie haben eine todernstes Cover des Ghostbusters-Titelsongs gemacht. Das war das einzige Mal, dass Three For Silver auf der Tanzfläche waren.

Lucas: Einmal spielten wir auf einem Doppeldecker-Bus bei einem Musikfestival in Australien. Der nächste Act nach uns wurde als „Naked Disco“ bezeichnet, und wir waren nicht sicher, was das bedeutet. Es wurde jedoch deutlich, als das Publikum im Laufe unseres Sets immer mehr an Kleidung verlor. Am Ende spielten wir für ein paar hundert völlig nackte Leute, die alle herum tanzten. Wir hatten Schwierigkeiten von der Bühne zu kommen, ohne dass uns die Kleider vom Leib gerissen wurden. Wenn das kein gutes Argument für das Leben als Life Performer ist, weiß ich nicht, was sonst eines sein könnte.

music-news.at Ihr seid gerade auf Tour, wie sieht es danach aus? Was sind Eure Pläne?

Douglas: Ich arbeite als Nebenjob im Verkauf von Brennholz, wenn ich nicht gerade auftrete. Da freue ich mich drauf. Da werde ich einfach wieder in der Abgeschiedenheit des Waldes leben.

Willo: Ich werde für immer schlafen und dann an die Arbeit am neuen Album gehen. Es gibt neue Songs zu vollenden, und alte neu zu lernen. Ich werde auch meine Großmutter besuchen, die 96 ist. Sie lebt allein im Wald von North Carolina, aber nicht bei Douglas.

Lucas: Ich werde mich für ein paar Wochen im Oktober entspannen und hoffentlich nirgendwo hinfahren. Dann werden wir im November gleich mit den Aufnahmen für unser neues Album beginnen. Wir hoffen, dass wir es im Januar veröffentlichen können. Es wird ein schneller Turnus sein, aber das ist in Ordnung, wir sitzen gerade auf einer Menge neuem Material.

Aktuell sind Three For Silver in Österreich unterwegs. Checkt die Tourdaten, denn falls sie in Deiner Nähe sind, ist das eine klare Empfehlung für jeden, der die ganze Bandbreite zwischen brachialer (Stimm-)Gewalt und musikalischem Fingerspitzengefühl erleben will:

09/26/18 Vienna Sargfabrik Austria
09/27/18 Steyr Kulturverein röda Austria
09/28/18 Timelkam Bart Bar Austria
09/29/18 Öblarn Kunst und Kulturhaus Öblarn Austria
09/30/18 – 10/10/18 All over Bulgaria Culture Exchange Tour of Bulgaria with US State Department Bulgaria

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